Trend Mikrohochzeit – kann das gut gehen?

Der einzige Bruder heiratet – corona-conform – in einer kleinen standesamtlichen Zeremonie am Rande von Wien. Schön, nicht? Nicht, wenn man nicht eingeladen ist. Das ist schon etwas anderes, als eben einmal, während der Corona Zeit, von der Hochzeit einer besten Freundin ausgeladen worden zu sein.

Der Trend zur Mikrohochzeit, ob zwangsbeglückt oder von Anfang an geplant, bereitet nicht nur Hochzeitsplanern Kopfzerbrechen. Das Thema, wer zur Hochzeit eingeladen wird, ist von vornherein hochexplosiv und entwickelt sich gerade zu Corona Zeiten zu einem Krisenherd. Die Maßnahmen basieren auf Zahlen: 10 Personen, oder sechs, oder vier. Aber mit welchen Menschen sind diese zu befüllen? Und wer zählt zum ‚engsten Familien- und Freundeskreis’?

Vor Corona Familie und Freunde, die sie gerne bei ihrer Hochzeit dabei haben würden – nach Kostenfaktoren und Logistik einzuschränken, war dabei vergleichsweise einfach – ja! Wirklich!

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Ungleiche Familiengrößen können sich hier zu einem echten Problem auswachsen. Warum sollten der Bräutigam, der eine Mutter und genau eine Schwester hat, nicht seine gesamte Familie einladen, weil die Braut neben beiden Eltern auch noch drei Brüder plus Ehepartner und Kinder hat? Eine Seite muss wählen, der andere eigentlich nicht, nicht?

Was bedeutet das jetzt für die Mikrofamilie, den Bruder, die Schwester und die Mutter? Herzschmerz, Traurigkeit, ja. Aber es kann auch eine Chance sein, einmal offen über Gefühle zu sprechen. Das muss vom Brautpaar ausgehen, dem Bruder und Bräutigam beispielsweise, der ja kein Feigling sein sollte, und die Situation klar und direkt anspricht.

So kann nach gemeinsamen Lösungen gesucht werden, die für alle gut funktionieren. In unserem Fall wird der Event live übertragen – ganz unspektakulär, so wie sich mein Bruder das auch wünscht – mit Facetime Call oder Zoom. So bin ich live dabei, wenn mein geliebter, einziger Bruder seiner Liebsten das Ja-Wort gibt. Ich bin nicht umsonst Hochzeitsplanerin – dieser Event ist mit der wichtigste, den wir in unserem Leben erleben.

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Und im Büro zu sitzen und irgendetwas Mondänes zu tun, während der eigene Bruder den Bund für sein Leben eingeht. Nö. Das geht einfach gar nicht.

Das heisst für Euch, sprecht mit euren Herzensmenschen, denn wer euch liebt weiß, dass Gästelisten-Stress jede Hochzeit kaputt machen kann. Und das wollen sie in den allermeisten Fällen auf keinen Fall. Sie lieben euch eben. Wer trotz eurem klaren Wunsch, trotzig, schwierig oder gar aggressiv reagiert, der hat es am Ende dann eben sowieso nicht verdient, auf die Gästeliste zu kommen.

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*Text von der Redaktion zur Wahrung der Privatsphäre, geändert.