Mit ihrem Buch “Wie ein Leuchten in tiefer Nacht” hat Bestseller-Autorin Jojo Moyes eine moderne Geschichte geschrieben, die weit in der Vergangenheit spielt. 

Die junge Engländerin Alice hat in den dreißiger Jahren einen Amerikaner geheiratet und findet sich plötzlich in der tiefsten Provinz Kentuckys wieder. Ihr Schwiegervater – ein tyrannischer Minenbesitzer – scheint alle Freude um sich herum im Keim zu ersticken. So wird aus der lebenslustigen und leidenschaftlichen jungen Intellektuellen eine zu Tode gelangweilte Kirchgängerin und Hausfrau. 

Bis sie auf Margery von den  „Berittenen Bibliothekarinnen“ trifft. Diese  Frauen, die auf Pferden und Mulis zu abgelegenen Schulen und Ranches ritten, um Bücher zu liefern, wurden zu Pionierinnen auf Initiative der damaligen Präsidenten-Gattin, Eleonore  Eisenhower. Alice schließt sich dieser Gruppe Frauen an und beginnt, auf ihre Weise gegen Repressionen und Traditionen zu kämpfen. 

“Es geht in dieser Geschichte um die Hoheit von Frauen über ihren eigenen Körper“, so Moyes, „ um Konzerne, die die Natur ausbeuten. Um ein Patriarchat , das sich verzweifelt an seine schwindende Macht klammert. Und um die Relevanz von Wissenschaft, Fakten und von Bildung!“

Diese Geschichte ist Moyes’ 17. Buch. Im August wurde die britische Autorin 50 Jahre alt. Sie meint, sie denke jetzt viel nach über das Älterwerden. Darüber, was mit Frauen in ihren Vierzigern passiere und was mit ihr passiert sei, auch auf einem molekularen Level. Moyes ist überzeugt, ihr Körper wisse instinktiv, dass ihre Kinder nun alt genug seien, um notfalls auch ohne sie zurecht zu kommen.

Denn je älter sie werde, desto mutiger werde sie. Sie hätte jetzt keine Flugangst mehr, fände einsame Ausritte fabelhaft. Sie gehe neuerdings gern tauchen. Und – vor allem – trete sie jetzt öffentlich als politischer Mensch auf.

Mit den Schriftstellern Ken Follett, Kate Moss und Lee Child wird Jojo Moyes auf eine Europatour gehen. Aus Protest gegen den Brexit, den sie für eines der größten Desaster der Gegenwart hält. Ihr schmerze das Herz, sagt sie, wenn sie darüber nachdenke, was das alles für ihre Kinder bedeute.

In den vergangenen Jahren sei sie von einer andren Art Frauen fasziniert gewesen, sagt sie. Von Fussballerinnen, Klima-Kämpferinnen, von Frauen, die sich wenig Gedanken darüber machen, was die Welt von ihnen denkt und ob sie etwas falsch machen könnten.

Auf die berittenen Bibliothekarinnen ist Moyes vor etwas mehr als zwei Jahren gestossen. Ein online Magazin hatte einen Text mit schwarz-weiss-Fotografien über die Bibliothekarinnen veröffentlicht. Junge Frauen auf Pferden. Bepackt mit Büchern. Im Hintergrund die rauhe Wildheit der Berge.

Sie begann zu recherchieren, fand aber so gut wie kein Material zu diesen Pionierinnen. Vielleicht, sagt Moyes, läge es daran, dass es dieses Phänomen so kurz, kaum ein Jahrzehnt, gab und die Frauen in sehr abgelegenen Gegenden unterwegs waren. 

Sie reiste selbst nach Kentucky, mietete sich in einer Hütte ein und ritt durch die Berge, monatelang. Sie lauschte der Sprachmelodie, dem besonderen Englisch dieser Menschen. Das Schreiben selbst, sagt Moyes, sei sehr schnell gegangen.

1943 wurde wegen des zweiten Weltkriegs der Dienst der berittenen Bibliothekarinnen eingestellt.

Das Buch ist ihr Denkmal! 

Jojo Moyes, „ Wie ein Leuchten in tiefer Nacht“
Rohwolt/Wunderlich,  € 24,-