>>Isa und Natascha fotografiert von Lydia Daniller<<

Das österreichische Fotografinnen-Duo Belle & Sass im Gespräch mit Wolkenkuckuck Chefredakteurin Ulrike Monks, über COVID19 und seine Auswirkungen auf die Branche.

Die fotografische Arbeit von Belle & Sass spiegelt ihr Talent für das Geschichten-erzählen wider. Dass das auch in Worten funktioniert, beweisen Natascha und Isa, in unserem Interview Wann ist das alles vorbei? einmal mehr. Sie schildern eindringlich und anschaulich ihre Erfahrungen und Eindrücke während des COVID19 Lockdowns und die Zeit danach. Ihre Bilder unterstreichen und erweitern diese Antworten und zeigen auf einmalige Weise die Sehnsucht der Menschen nach … seht einfach selbst.

Wie hat sich für euch die wirtschaftliche Landschaft in den letzten drei Monaten verändert?

Einen Gutteil unseres Einkommens erwirtschaften wir mit Hochzeiten, Events und Peoplefotografie. Im Lockdown wurden dann natürlich Events, Hochzeiten und überhaupt Zusammenkünfte verboten. Insbesondere Privatkunden, als Hochzeitspaare aber auch Geburtstagskinder und große Firmenfeiern wurden dann auf unbestimmte Zeit verschoben oder aber auch gänzlich abgesagt. Uns trifft das wirtschaftlich extrem hart, über das Jahr hinweg haben wir mit einem Verdienstentgang von 80% zu rechnen. Da verbringt man schon die ein oder andere schlaflose Nacht. Insbesondere wenn in einem Haushalt beide im selben Business arbeiten, steht und fällt alles mit diesem einen Unternehmen. Es ist extrem frustrierend zuzusehen, wie das wofür man gearbeitet hat unverschuldet den Bach runter geht und alles was man tun kann ist nur zusehen und hoffen, dass man den finanziellen Schaden halbwegs übersteht.

Welche pro-aktiven Schritte setzt ihr im Moment in eurem Business?

Wir haben die Zeit genutzt um Projekte voranzutreiben, die man sonst eher hintanstehen lässt: eine neue Webseite, den IG Account planen, Hochzeiten auf Blogs einreichen, Videos für IG zu schneiden. Endlich ein persönliches Projekt verwirklichen. Natürlich haben wir auch unsere Paare kontaktiert, um ihnen zu vermitteln, dass wir für sie da sind und in Erfahrung zu bringen wie sie mit der Situation in Bezug auf ihr geplantes Fest umgehen wollen.

Die meisten verschieben, damit sie ihre ursprüngliche Idee von ihrem Fest verwirklichen können, wie etwa eine ganze bestimmte Baumblüte als Setting für eine Hochzeit in Oberitalien. Wenn man sich das wünscht wartet man eben noch ein Jahr.

Belle & Sass
(c) Belle & Sass

Wie fühlen sich eure Kunden und was sagen sie zu euch?

Viele unserer Kunden sind traurig, dass sie nicht wie geplant feiern können. Die meisten verschieben, damit sie ihre ursprüngliche Idee von ihrem Fest verwirklichen können, wie etwa eine ganze bestimmte Baumblüte als Setting für eine Hochzeit in Oberitalien. Wenn man sich das wünscht wartet man eben noch ein Jahr. Im Endeffekt ist es auch auch für unsere Kunden wichtiger, dass alle gesund sind und dabei sein können. Da wir viele internationale Paare haben, sind bis auf vereinzelte Hochzeiten alle Feiern verschoben. Ein Paar hat sich entschieden den Rahmen zu verkleinern. Auch für viele Paare ist das jetzt eine sehr anstrengende Zeit. Manche führen Firmen, wollen ihre Mitarbeiter*innen und trotzdem ein Unternehmen am Laufen halten. Das ist dann beruflich und privat sehr stressig.

Wenn ihr Ratschläge für Kollegen in Industrie und Wirtschaft hättet, wie sie sich kurzfristig in der derzeitigen Krise helfen können, wie würden diese lauten?

Gute Frage. In Österreich ist es leider so, dass die versprochenen Hilfsgelder viel weniger schnell und unbürokratisch, als etwa in Deutschland und in der Schweiz, ausgeschüttet wurden. Wir selbst haben bis jetzt kaum etwas erhalten. Unser Rat ist, sich zusammen zu schliessen und zu versuchen bei Wirtschaftskammern und Regierung Gehör zu finden. In Österreich gibt es die Initiative OHNE UNS – KEIN EVENT. Unsere Branche wirkt leider ein wenig vergessen und nicht gesehen von der Regierung. 

Was denkt ihr über die Zukunft? Wie, glaubt ihr, werden sich Gastronomie- und Hotellerie-Unternehmen verändert haben, wenn das alles vorbei ist?

Die Frage ist auch, wann ist das alles vorbei? Es ist eine nervenaufreibende Frage, wenn man auf Menschenkontakt angewiesen ist, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Jetzt wo die Lokale wieder geöffnet haben, kann man sehen, dass die Leute wieder ausgehen, essen gehen und sich treffen. Vermutlich wird es noch ein wenig dauern, bis die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie sichtbar werden. Es wird einige Betriebe nach der Pandemie sicher nicht mehr geben. Viele Stimmen sagen, man sollte seine Lieblingslokale gerade jetzt unterstützen und dort essen. Wir stimmen dem zu, aber wenn man von der Krise selbst sehr stark getroffen ist, hat man auch weniger Geld um es in Restaurants zu tragen. 

Noch eine persönliche Frage – was macht ihr konkret, um in diesen Zeiten entspannt und glücklich zu bleiben?

Insbesondere zu Beginn des Lockdowns waren wir mit Kindern und Hund täglich in der Natur spazieren. Bewegung, Bäume und frische Luft beruhigen ja, das war sehr wichtig für uns alle in dieser Zeit. Außerdem haben wir, wie viele andere, wieder mit dem Brot backen angefangen. So ein Sauerteig braucht auch Beachtung und es ist was ganz Wunderbares, einen selbst gebackenen Laib Brot in Händen zu halten und zu essen. Es gaukelt einem ein gewisses Gefühl von Unabhängigkeit vor, wenn man etwas so Wichtiges wie Brot selbst herstellen kann. Wir haben regelmäßig Sport gemacht und noch mehr gekocht als sonst. Essen ist ein zentrales Element in unserem Leben.

Gibt es noch irgendetwas, was ihr unseren Lesern mitgeben möchtet?

Bleibt gesund und macht was euch gut tut – es ist in Ordnung, nicht perfekt zu sein!

(c) Belle & Sass

contact@belleandsass.com; www.belleandsass.com