August, September 2020

Liebesromane

Anne Enright: Die Schauspielerin. Penguin (Hardcover)
(c) www.randomhouse.de

Bei den Familiengeschichten der Dublinerin, Anne Enright, konnte man sich schwindlig lesen: zuletzt „Anatomie einer Affäre“ und „Rosalies Fest“. 
Das ist bei dem neuen Buch der Autorin, „Die Schauspielerin“,  nicht so leicht möglich. 

Man muss sich, von vielen Namen irritiert, durchkämpfen, bis man das Mutter-Tochter-Porträt klar sieht; bis man die vielen Gesichter der beiden Frauen deutlich erkennen kann.

Die Mutter war einst ein irischer Hollywood-Star, der sich auch privat inszenierte. Ihr Ende beginnt, als sie einem Filmproduzenten in den Fuss schießt und für verrückt erklärt wird.

Anne Enright dachte bei dieser Arbeit an Valerie Solanas, die Andy Warhol ins Koma geschossen hatte.

Lange nach deren Tod, zieht nun die 50-jährige Tochter Bilanz. 
Es ist keine Abrechnung, es ist ein zärtlicher Rückblick auf eine Frau, die alles einstecken konnte, ausser, wenn ihre Tochter verwundet wurde.
Wer war sie? Als Schauspielerin, als Mutter? 
Anne Enright dringt immer zum Menschen vor.

Anne Enright,   „Die Schauspielerin“    Penguin-Verlag ,  € 22,00

Margherita" von Jana Revedin, Der Buchhändler empfiehlt - Bücher -  Sendungen - WDR 5 - Radio - WDR
(c) Aufbau Verlag

TERMIN: Lesung – Jana Revedin liest aus “Margherita” 
22.09.2020 | Beginn: 19:00 | Musilmuseum | Bahnhofstraße 50, 9020 Klagenfurt am Wörthersee 

www.aufbau-verlag.de

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Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Die Legende sagt: Der geschäftstüchtige ital. Graf Guiseppe Volpi, Hotel „Excelsior“-Besitzer am Lido, suchte nach einer Möglichkeit, die Sommersaison zu verlängern.
Und so fanden im August 1932 die ersten Filmfestspiele von Venedig  statt.
Volpi gilt seither als Vater der „I Esposizione internationale d’arte cinematografica“.

Jana Revedin, Architektin und Schriftstellerin, aber erzählt in ihrem neuen Buch „Margherita“ eine ganz andere Geschichte. 
Darin beschreibt sie den Aufstieg der Großmutter ihres Mannes, Margherita, von der Zeitungsausträgerin zur „First Lady Venedigs“.

Wie es  kam: 

G. Volpi wurde von Mussolini geadelt. Jedoch lag ihm jede aristokratische Zurückhaltung fern. Er stilisierte sich selbst zum „Vater“ der Filmfestspiele, die aber in Wahrheit eine Initiative der „Gruppe Veneziano“, einer Handvoll alteingesessener Venezianischer Aristokraten und Industrieller, die dem heruntergekommenen Venedig des frühen 20en Jahrhunderts neues Leben einhauchen wollten.

Margherita hingegen war die stille Kraft im Hintergrund, die Seele der Filmfestspiele. Sie lud zu handverlesenen Abendessen in den „Maurischen Salon“ des Excelsiors. Sie hatte dank ihrer Pariser Künstlerfreunde den Kontakt zu Warner Brothers, in Hollywood hergestellt, deren Film: „Grand Hotel“ nach Vicky Baums Roman “Menschen im Hotel“, mit Greta Garbo, der Glanzpunkt des ersten Festivals wurde.

Margherita kam aus einfachsten Verhältnissen, aus Treviso, einem Ständchen nahe Venedig, wo auch die Revedins ihren Landbesitz hatten, und dort trug sie Zeitungen aus.

Der junge Graf Revedin, Philanthrop und passionierter Fotograf, war begeistert von ihrer Neugier auf Kunst und Kultur und, entgegen aller damals so strengen gesellschaftlichen Regeln, heirateten sie.

Vor der Hochzeit schickte Graf Revedin seine Verlobte für ein halbes Jahr nach Paris, unter die Fittiche der damals größten Kunstmäzenin der Moderne, der chilenischen Silberminenerbin, Eugenia Errázuriz. 

In ihrem Salon lernte Margherita nicht nur deren Protegés (Coco Chanel, Igor Stravinsky, Blaise Cendrars, Pablo Picasso, Jean-Michel Frank) kennen; Eugenia bildete und förderte die junge Margherita zeitlebens auch selbst wie eine Ziehtochter.

Bereits 1932 warfen Nationalsozialismus und Faschismus ihre Schatten bis nach Venedig. Margherita sah das klar. Nach dem Tod ihres Mannes 1936 und dem sie überwältigenden Familienbankrott zog sie sich notgedrungen aus der Öffentlichkeit zurück; aber nicht ohne die Entwicklung der Film-Kunst weiterhin zu verfolgen. Sie hoffte auf mehr politische Verantwortung der Kunst.

Mehr über das Schicksal von Contessa Margherita Revedin können Sie im Buch: „Margherita“ von Jana Revedin erfahren.

Jana Revedin, „Margherita“,   Aufbau-Verlag,      € 22,70